Zum Hauptinhalt springen
Wahlen
in
Sachsen-Anhalt vor der Wahl: Was die Daten über das Land erzählen

Veröffentlicht am 1. September 2026

Am 6. September 2026 wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Die AfD liegt in den Umfragen mit knapp 40 Prozent klar vor der CDU. Sie könnte ihr Ergebnis von 2021 verdoppeln und erstmals in einem Bundesland stärkste Kraft werden.

Warum die Partei in Sachsen-Anhalt so erfolgreich ist, lässt sich nicht mit einer einzelnen Zahl erklären. Wirtschaftliche Unsicherheit, Alterung, Abwanderung, Bildung und Migration werden häufig als mögliche Faktoren genannt. Viele dieser Merkmale unterscheiden sich innerhalb Deutschlands erheblich.

Diese Themenseite vergleicht Sachsen-Anhalt mit anderen Regionen. Die Karten zeigen, wo Einkommen niedrig sind, junge Menschen fehlen, die Bevölkerung altert oder besonders viele Menschen im Handwerk und in der Industrie arbeiten. Sie liefern keine eindeutige Erklärung für eine Wahlentscheidung. Sie zeigen jedoch, unter welchen unterschiedlichen Bedingungen Menschen in Deutschland leben und wählen.

Von 20,8 auf mehr als 40 Prozent?

Bei der Landtagswahl 2021 wurde die CDU mit 37,1 Prozent stärkste Kraft. Die AfD erreichte 20,8 Prozent und zog als zweitstärkste Partei in den Landtag ein. Es folgten Linke, SPD, FDP und Grüne.

Fünf Jahre später haben sich die politischen Kräfteverhältnisse grundlegend verändert. Seit der Bundestagswahl 2025 liegt die AfD in den meisten Umfragen zur Landtagswahl deutlich vor der CDU. Zuletzt erreichte sie Werte von rund 40 Prozent.

Ob daraus auch eine Mehrheit der Sitze wird, hängt auch vom Abschneiden der kleineren Parteien ab. Bleiben mehrere Parteien unter der Fünf-Prozent-Hürde, kann der Anteil der AfD-Mandate deutlich höher ausfallen als ihr Stimmenanteil.

Der politische Wandel begann vor der Landtagswahl

Bei der Bundestagswahl 2025 wurde die AfD in nahezu allen ostdeutschen Wahlkreisen stärkste Kraft. In Sachsen-Anhalt gewann sie sämtliche Bundestagswahlkreise nach Zweitstimmen. Landesweit kam die Partei auf 37,1 Prozent.

Die Verschiebung ist nicht auf einzelne Städte oder Landkreise beschränkt. Sie reicht von der Altmark im Norden bis zum Burgenlandkreis im Süden. Ähnliche Mehrheiten finden sich in großen Teilen Thüringens, Sachsens, Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns.

Welche regionalen Merkmale hängen mit dem AfD-Ergebnis zusammen?

Die Lebensverhältnisse unterscheiden sich zwischen den rund 400 deutschen Kreisen und kreisfreien Städten erheblich. Einkommen, Arbeitsmarkt, Bildung, Altersstruktur, Migration und die örtliche Wirtschaft ergeben je nach Region sehr unterschiedliche Ausgangslagen.

Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen setzen solche Regionaldaten mit Wahlergebnissen in Beziehung. Eine aktuelle Auswertung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung betrachtet acht Strukturmerkmale und die Ergebnisse der Bundestagswahl 2025. Solche Zusammenhänge beschreiben räumliche Muster, erklären aber keine individuelle Wahlentscheidung.

Hinzu kommt, dass viele Merkmale eng miteinander verbunden sind. Regionen mit einer älteren Bevölkerung haben häufig zugleich weniger junge Menschen, eine andere Wirtschaftsstruktur und eine längere Geschichte der Abwanderung. Die folgenden Karten betrachten diese Merkmale deshalb einzeln.

Einkommen und Arbeitsmarkt

Sachsen-Anhalt gehört vielerorts zum unteren Drittel

Das verfügbare Einkommen ist in Deutschland regional sehr ungleich verteilt. Hohe Werte konzentrieren sich vor allem auf Bayern, Baden-Württemberg und Teile Hessens. Viele Kreise in Ostdeutschland liegen unter dem Bundesdurchschnitt.

Das gilt auch für Sachsen-Anhalt. Das Einkommensniveau ist in den beiden Großstädten Magdeburg und Halle sowie in einzelnen wirtschaftlich stärkeren Kreisen höher als in vielen ländlichen Regionen. An das Niveau zahlreicher westdeutscher Kreise reicht das Land dennoch nicht heran.

Niedrige regionale Einkommen bedeuten nicht zwangsläufig persönliche Armut. Sie zeigen aber, dass Haushalte im Durchschnitt weniger finanziellen Spielraum haben. Preissteigerungen und wirtschaftliche Krisen können solche Regionen daher stärker treffen.

Junge Menschen finden unterschiedliche Arbeitsmärkte vor

Auch die Jugendarbeitslosigkeit weist ein deutliches regionales Gefälle auf. In Teilen Süddeutschlands liegt sie sehr niedrig. Höhere Quoten finden sich unter anderem in strukturschwachen Städten, im Ruhrgebiet und in mehreren ostdeutschen Kreisen.

Innerhalb Sachsen-Anhalts bestehen ebenfalls Unterschiede. Die Situation junger Menschen lässt sich nicht allein mit der Lage in Ost- oder Westdeutschland beschreiben. Stadt und Land, Wirtschaftsstruktur und das örtliche Ausbildungsangebot spielen ebenfalls eine Rolle.

Handwerk und Industrie prägen viele Regionen

Sachsen-Anhalts Wirtschaft wird vielerorts von kleinen und mittleren Unternehmen getragen. Das Handwerk hat vor allem außerhalb der Großstädte eine hohe Bedeutung. Viele Betriebe sind unmittelbar von Energiepreisen, Fachkräftemangel und der Kaufkraft in ihrer Region abhängig.

Eine hohe Handwerksdichte findet sich häufig in ländlichen und kleinstädtischen Regionen. In der regionalen Wahlanalyse überschneidet sich dieses Muster teilweise mit hohen AfD-Ergebnissen. Daraus lässt sich nicht ableiten, wie Beschäftigte oder Unternehmer im Handwerk gewählt haben. Die Karte beschreibt zunächst die Wirtschaftsstruktur einer Region.

Das industrielle Erbe ist bis heute sichtbar

In einigen Kreisen Sachsen-Anhalts arbeitet ein vergleichsweise großer Teil der Erwerbstätigen im verarbeitenden Gewerbe. Dazu gehören Regionen des mitteldeutschen Chemiedreiecks sowie Standorte des Maschinenbaus, der Metallverarbeitung und der Lebensmittelindustrie.

Diese Arbeitsplätze sind häufig gut bezahlt, zugleich aber von Energiepreisen, Exporten und internationalen Lieferketten abhängig. Strukturwandel ist hier keine abstrakte Debatte. Viele Menschen haben seit 1990 erlebt, wie ganze Branchen verschwanden, neu entstanden oder erheblich kleiner wurden.

Bildung, Alter und Abwanderung

Große Unterschiede zwischen den Kreisen

Der Anteil der Schulabgängerinnen und Schulabgänger mit Abitur unterscheidet sich regional stark. Besonders hohe Quoten erreichen viele Universitätsstädte und wirtschaftlich starke Ballungsräume. In ländlichen Kreisen fällt der Anteil häufig niedriger aus.

Das liegt nicht allein an den Schulen. Junge Menschen ziehen für Studium und Beruf häufig in größere Städte. Dadurch verändern sich die Bevölkerungsstruktur und das Bildungsniveau der Herkunftsregionen. Kreise mit niedrigerer Abiturquote weisen bei der Bundestagswahl 2025 häufig höhere AfD-Ergebnisse auf. Die Karte sagt jedoch nichts darüber aus, wie einzelne Menschen mit oder ohne Abitur wählen.

Ein Land wird älter

Sachsen-Anhalt gehört zu den ältesten Bundesländern Deutschlands. In zahlreichen Kreisen ist mehr als ein Drittel der Bevölkerung älter als 60 Jahre. Besonders hohe Werte finden sich in Regionen, die seit der Wiedervereinigung viele jüngere Einwohner verloren haben.

Eine ältere Bevölkerung stellt Kommunen vor konkrete Aufgaben. Der Bedarf an medizinischer Versorgung und Pflege wächst. Zugleich fehlen Beschäftigte, Steuereinnahmen und Menschen, die Vereine, Feuerwehren oder kommunale Einrichtungen tragen.

Unter den betrachteten Strukturmerkmalen weist der Anteil der über 60-Jährigen den stärksten statistischen Zusammenhang mit dem AfD-Ergebnis bei der Bundestagswahl 2025 auf. Die Ursachen hinter diesem Befund bleiben offen. Alter, Abwanderung, wirtschaftliche Erfahrungen und regionale Geschichte lassen sich kaum voneinander trennen.

In vielen Regionen fehlen junge Erwachsene

Das Gegenstück zur alternden Bevölkerung ist der geringe Anteil junger Menschen. Viele 15- bis 24-Jährige verlassen ländliche Regionen für Ausbildung, Studium oder Arbeit. Universitätsstädte und wirtschaftsstarke Zentren ziehen dagegen junge Menschen aus ihrem Umland an.

Sachsen-Anhalt besitzt mit Halle und Magdeburg zwei solche Zentren. Außerhalb der Städte ist der Anteil junger Menschen in vielen Kreisen deutlich niedriger. Das erschwert die Suche nach Auszubildenden und Fachkräften und beschleunigt die Alterung zusätzlich.

Migration und die tatsächliche Verteilung

Hohe AfD-Ergebnisse trotz geringer Ausländeranteile

Migration gehört zu den wichtigsten Themen im Wahlkampf der AfD. Die räumliche Verteilung der ausländischen Bevölkerung folgt jedoch einem anderen Muster als die Wahlergebnisse der Partei.

Hohe Ausländeranteile finden sich vor allem in Großstädten und wirtschaftsstarken Regionen im Westen und Süden. In weiten Teilen Ostdeutschlands ist der Anteil deutlich niedriger. Das gilt auch für viele Kreise Sachsen-Anhalts, in denen die AfD bei der Bundestagswahl besonders hohe Ergebnisse erzielte.

Für Ostdeutschland verläuft der statistische Zusammenhang in die entgegengesetzte Richtung: Bei der Bundestagswahl 2025 war die AfD tendenziell in Kreisen stärker, in denen besonders wenige Ausländerinnen und Ausländer lebten. Die tatsächliche Zahl der Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit eignet sich daher kaum als alleinige Erklärung für regionale AfD-Ergebnisse.

Die Aufnahme Schutzsuchender verändert sich nicht überall gleich

Seit 2015 haben sich die regionalen Anteile von Schutzsuchenden unterschiedlich entwickelt. Die Karte zeigt, wo der Anteil besonders stark gestiegen oder zurückgegangen ist.

Auch dieses Muster deckt sich nicht vollständig mit der politischen Landkarte. Regionen mit einem starken Anstieg sind nicht automatisch AfD-Hochburgen. Umgekehrt erzielt die Partei in zahlreichen Kreisen hohe Ergebnisse, obwohl dort vergleichsweise wenige Schutzsuchende leben.

Wahrnehmung und tatsächliche Verteilung können auseinanderliegen. Aus den Kreisdaten lässt sich allerdings nicht ablesen, wie Migration vor Ort erlebt wird oder welche Bedeutung das Thema für einzelne Wahlentscheidungen hat.

Ohne Migration würde die Zahl der Erwerbsfähigen stark sinken

Die Alterung Sachsen-Anhalts wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen. Ohne Zuwanderung würde die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter bis 2045 in vielen Kreisen erheblich schrumpfen.

Betroffen wären Unternehmen, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Schulen, Verwaltungen und das Handwerk. Schon heute berichten viele Betriebe von Schwierigkeiten, offene Stellen und Ausbildungsplätze zu besetzen.

Die Karte bildet ein Szenario ohne Migration ab. Sie ist keine Prognose darüber, was tatsächlich eintreten wird. Sie zeigt, wie stark die künftige Entwicklung von Zu- und Abwanderung abhängt.

Was die Karten zeigen und was nicht

Zwischen Wahlergebnissen und regionalen Strukturmerkmalen bestehen statistische Zusammenhänge. Daraus folgt keine einfache Erklärung des Wahlverhaltens.

Ein Landkreis besteht aus Menschen mit sehr unterschiedlichen Biografien, Einkommen und politischen Einstellungen. Aus einem hohen Durchschnittsalter lässt sich nicht schließen, dass ältere Menschen dort die AfD gewählt haben. Aus einem niedrigen Ausländeranteil folgt ebenso wenig, dass fehlender persönlicher Kontakt die Wahlentscheidung bestimmt hat.

Die Karten beschreiben den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Raum, in dem die Wahl stattfindet. Sie zeigen ein Land, das stark gealtert ist, viele junge Menschen verloren hat und wirtschaftlich noch immer von den Folgen des Umbruchs nach 1990 geprägt wird. Zugleich gibt es erhebliche Unterschiede zwischen Städten, Industriestandorten und ländlichen Kreisen.

Eine abschließende Antwort auf die Frage, warum die AfD in Sachsen-Anhalt so stark ist, liefern diese Daten nicht. Sie helfen aber, die Bedingungen genauer zu betrachten, unter denen die Menschen am 6. September wählen.

FAQ

Quellen und weiterführende Informationen

Die Grafiken beruhen auf amtlichen Wahlergebnissen, Daten der statistischen Ämter sowie Auswertungen wissenschaftlicher Institute. Da regionale Datensätze zu unterschiedlichen Zeitpunkten erscheinen, unterscheiden sich die Bezugsjahre der Karten.

Wahl in Sachsen-Anhalt

Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2021 und Wahlarchiv

Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt Quelle öffnen

Ergebnisse der Landtagswahl 2021 sowie frühere Landtagswahlen seit 1990.

Umfragen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Wahlrecht.de Quelle öffnen

Zusammenstellung der Erhebungen verschiedener Institute.

LänderTREND Sachsen-Anhalt

Infratest dimap Quelle öffnen

Bundestagswahl 2025

Ergebnisse der Bundestagswahl 2025

Die Bundeswahlleiterin Quelle öffnen

Ergebnisse nach Wahlkreisen und Zweitstimmenanteile.

Grundlage der Analyse

Sachsen-Anhalt zeigt das AfD-Paradox

Marcel Fratzscher, DIW aktuell Nr. 121, 24. Juli 2026 Quelle öffnen

Die Studie verbindet die Bundestagswahlergebnisse 2025 mit acht regionalen Strukturmerkmalen. Grundlage sind nach Angaben des DIW Daten der Bundeswahlleiterin, INKAR 2024 und die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen der Länder.

Onlinefassung der DIW-Studie

DIW Berlin Quelle öffnen

Regionale Strukturdaten

INKAR: Indikatoren und Karten zur Raum- und Stadtentwicklung

Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung Quelle öffnen

Verwendet für Altersstruktur, junge Bevölkerung, Abiturquote, ausländische Bevölkerung, Schutzsuchende, Handwerksdichte und verarbeitendes Gewerbe. Das genaue Bezugsjahr ist in der jeweiligen Grafik angegeben.

Informationen zu INKAR

BBSR Quelle öffnen

Einkommen und Arbeitsmarkt

Einkommen der privaten Haushalte auf Kreisebene

Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder Quelle öffnen

Grundlage der Karte zum verfügbaren Einkommen je Einwohner 2023.

Arbeitsmarktstatistik nach Bund, Ländern und Kreisen

Bundesagentur für Arbeit Quelle öffnen

Grundlage der Karte zur Jugendarbeitslosigkeit 2025.

Demografisches Szenario

Demografische Krise im Osten: Ohne Zuwanderung geht es nicht

Philipp Deschermeier und Wido Geis-Thöne, Institut der deutschen Wirtschaft, 21. August 2026 Quelle öffnen

Szenario zur Entwicklung der 15- bis 66-jährigen Bevölkerung bis 2045 ohne Zu- und Abwanderung.

Pressemitteilung zur IW-Bevölkerungsprognose

Institut der deutschen Wirtschaft Quelle öffnen

Methodischer Hinweis

Die Karten stellen Durchschnittswerte für Landkreise und kreisfreie Städte dar. Innerhalb eines Kreises können erhebliche Unterschiede bestehen. Räumliche Überschneidungen zwischen einem Strukturmerkmal und einem Wahlergebnis belegen keine Ursache. Aussagen über einzelne Bevölkerungsgruppen oder individuelle Wahlmotive sind auf Grundlage dieser Daten nicht möglich.

Trending in Wahlen, Sachsen-Anhalt
Endecke die beliebtesten Wahlen Tags
Bezogen auf Wahlen
Landtagswahl Nordrhein-Westfalen 2027: Sonntagsfrage
vor 13 Stunden
Mecklenburg-Vorpommern: Sonntagsfrage Landtagswahl 2026
vor 11 Stunden
Wahl zum Abgeordnetenhaus Berlin 2026: Sonntagsfrage
vor 13 Stunden
Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Sonntagsfrage
gestern
Wie viel verdienen Bundestagsabgeordnete in Deutschland?
gestern
Aus der Community
Entdecke, was mit dem Creator möglich ist